4 Länder-Radtour – Belgien, Frankreich, England, Niederlande 2023

Landkarte mit eingezeichneter Streckenführung

Unsere nächste Radreise durch 4 Länder steht an. Diesmal haben wir uns 4 Wochen Urlaub genommen und werden 25 Tage davon unterwegs sein. Mit diesem Artikel kannst du uns in den nächsten Wochen begleiten. Start ist in Brüssel. Über Belgien, Frankreich nach England. Dort machen wir eine kleine Schleife rund um Canterbury. Quasi unser Vorschnuppern für eine größere Englandtour. Von der hatten uns viele abgeraten. England wäre jetzt nicht das Radreise-Paradies. Wir werden sehen.

Von England geht es dann zurück über Calais der belgischen Küste entlang nach Zeeland in Niederlande.

Und gleich vorweg: NEIN, wir haben keinen Motor dabei. Wir wollen uns bewegen und mit eigener Muskelkraft wie schon seit Jahrzehnten durch die Welt fahren. Ansonsten sind wir autark und haben Zelt, Schlafsack und Kochgeschirr dabei.

In den Highlights meines Instagram-Kanals findest Du mehr Bilder https://www.instagram.com/augenschule_gelman/

Vorbereitungen

Die letzten Jahre sind wir mit dem Zug irgendwo hingefahren und haben uns dann per Rad unserem Wohnsitz wieder genähert. Den letzten Rest sind wir manchmal mit dem öffentlichen Nahverkehr zurück gefahren. Oder auch ganz mit dem Rad nach Hause.

Diesmal klappt das so, wegen der Entfernung, nicht. Wir wollten einfach mal wieder weiter weg und vor allem nach vielen Jahren mal wieder ans Meer! Das vermisse ich sehr!

Nach langem Recherchieren bei der Bahn fahren wir jetzt mit dem Flixbus mit Fahradträger von Frankfurt nach Brüssel. Zurück ist die Fahrt von Utrecht nach Frankfurt gebucht. Seit vielen Jahren meine erste Busreise 🙂

Für die Vorbereitungen haben wir uns diesmal 2 Tage Zeit genommen und starten erst an einem Montag.

Neues Material

Folgendes Material für eine Radreise wurde von mir im Gepäck ersetzt:

  • Schlafsack
  • Backpack von Ortlieb
  • Smartphonehalterung
  • Ziphosen
  • Fahrrad-Sportbrille
  • Barfussschuhe mit Profilsohle

Mein Ziel bei dieser Radreise: Das Gepäck muss viel leichter als die letzten Jahre sein. Die Waage ist diesmal ein hilfreiches Mittel. Mein Schlafsack hat jetzt gute 40 Jahre auf dem Buckel. Er hat meinen Bruder bei sehr vielen Outdoorreisen begleitet. Danach mich in viele Länder. Er ist einfach zu dick und schwer für eine Radreise. Sollte ich nochmal bei Minustemperaturen draußen übernachten ist er wieder mit dabei.

Viele Jahre bin ich mit einem blauen Packsack vom Discounter gefahren. Eigentlich war der für Bootstouren als wasserdichter Sack gedacht. Nicht nur, dass er ein wenig schwerer als der neue Backpack ist, sondern er wackelte oft auch sehr und rutschte bei kurvigen Strecken vom Gepäckträger. Dieses Backpack passt jetzt zu meinen Ortlieb-Radtaschen und lässt sich daran befestigen. Du wirst den Erfahrungsbericht damit dann lesen können.

Mein neues Smartphone ist größer und passt nicht mehr in meine bisherige Halterung. Daher musste was neues her. Die Recherche war sehr aufwendig. Ich denke, ich habe etwas brauchbares gefunden, was vor allem auch regendicht ist.

Und nicht zuletzt wird es wahrscheinlich nässer als die letzten Jahre, daher noch eine neue Ziphose zum Wechseln.

Diesmal starte ich ohne Brille mit Sehstärke, stattdessen mit Radbrille. Gerade wenn wir schneller unterwegs sind, als es von der Natur in der Steinzeit vorgesehen war, brauchen wir doch einen Schutz. Gerade Insekten, wie Fliegen, Hummeln usw., können doch auf der Hornhaut Spuren hinterlassen. Bei kleineren Objekten ist es auch einfach nervig.

Ich liebe Barfußschuhe. Am liebsten laufe ich barfuß. Immer geht das natürlich nicht. Mit meinen alten Barfußschuhen rutsche ich speziell bei Nässe von den Pedalen. Mit meinen Trekking-Halbschuhen sind mir oft die Füße, nach einer Zeit des Fahrens, eingeschlafen. Daher gibt es diesmal neue Barfußschuhe mit Profilsohle. Ich bin gespannt.

Tag 1 Darmstadt – Brüssel 24.07.2023

Voller Vorfreude radeln wir los. Von Darmstadt Kranichstein nach Darmstadt Arheiligen an den Bahnhof.

Wetter, trocken, 24 Grad

Es läuft sofort. Wir sind uns einig, wir könnten auch gleich weiterfahren, ohne Bahn und Bus …

In Arheiligen steigen wir in die leere S-Bahn. Super angenehm im Gegensatz zum letzten Jahr. Durch das 9 Euro Ticket wurden wir angefeindet – was wir denn jetzt auch noch im Zug wollen. Die S-Bahn fährt zur Zeit nur bis Frankfurt Louisa. Der S-Bahn Tunnel ist komplett über die Ferien gesperrt. Aber wir haben ja Fahrräder dabei.

Gemütlich geht es durch die ferienverschlafene Stadt entlang der Stresemann Allee zum Busbahnhof am Hbf.

Ab Frankfurt dann mit dem Flixbus nach Brüssel

In Brüssel haben wir den Campingplatz schon vor Wochen vorgebucht: Camping 58 direkt am Atomium

Gestern hörte ich in Hr-info einen Beitrag über Abenteuerreisen.

Bei einer Abenteuerreise muss etwas schief gehen, sonst ist es kein Abenteuer.

Warum machen wir diese Reisen statt Pauschalurlaub?

Weil wir flexibel bleiben wollen und so gezwungen sind schnell nach Lösungen zu suchen. Beide brauchen wir das auch in unserem beruflichen Alltag.

Heute morgen ging also schon das erste schief. Das neue Backpack liess sich nicht auf die alten Packtaschen spannen.

Jeder von uns bringt Ideen ein und so ist das Problem schnell mit einem Seitenschneider gelöst, alleine hätten wir die Lösung nie so schnell gefunden.

Finde den Fehler!

Es kann los gehen.

Gut vertäut
Die 2 Fahrer kamen aus Polen – Tschechien und fahren noch bis Niederlande

Mit dem Flixbus hat alles bestens geklappt. Alle Bedenken im Vorfeld waren unnötig. Der Fahrradhalter war am Bus dran. Der Busfahrer hat die Räder ordentlich vertäut und sie sind sicher in Brüssel angekommen. Wir durften je 2 Gepäckstücke mitnehmen. Das haben wir so gelöst:

Irgendwie sieht unser Gepäck aus als kann es weg 😅

Am Zeltplatz angekommen gleich das Zelt aufgebaut. Funktioniert die Routine vom letzten Jahr noch? Leider ja, wie letztes Jahr ist uns beim 1. Zeltaufbau die Zeltstange gebrochen. Gleiche Stelle – Mist! Die kaputte Stange vom letzten Jahr hatten wir ersetzt. Zum Glück hatten wir das Repairkit wieder dabei.

Repairkit aus Metallhülse und Panzertape

Beim Abendessen gab es eine gemütliche Runde am Zeltplatz mit 2 Architekturstudentinnen aus den Niederlanden und 2 Dänen. Die Dänen fahren mit den Rädern noch bis Marokko. 2 Lehrer, einer in Ruhestand, einer arbeitet mit autistischen Kindern. Er berichtet was wir auch in Deutschland wahrnehmen, es gibt immer mehr sozial autistische Kinder.

Wir sprechen über den Einfluss von Bildschirmzeit auf die Entwicklung von Kindern und werfen unser Wissen zusammen, super spannend.

Bin sehr müde in den Schlafsack gefallen. 

Atomium in Brüssel

Der Campingplatz liegt gleich beim Atomium und einem Kinozentrum. Erkenntnis – beim Rad-Zelturlaub sind Ohrstöpsel und eine Schlafmaske für die Augen sehr wichtig. So war mir die Musik auf dem Zeltplatz und die dröhnenden Autos egal.

Grundversorgung mit Strom

Gleich am ersten Tag fällt uns eine weiteres Grundbedürfnis neben Essen, Schlafplatz und Fortbewegungsmittel auf. Strom!

Tag 2 Brüssel – Denderhoutem 25.07.2023

Wir sind mit einem lange nicht mehr gehörten Geräusch aufgewacht – Regen prasselt aufs Zelt. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Schön eingekuschelt im warmen Schlafsack bin ich trocken.

Wir wollen Brüssel nicht verlassen ohne in der Innenstadt am großen Markt gewesen zu sein. Dort hatte ich 1989 ein Erlebnis. Wir fuhren als Studenten mit dem Auto spontan nach Brüssel und waren am frühen Morgen da. Vergeblich wollten wir am großen Markt in einer Bäckerei einkaufen. Es duftete herrlich. DM nahmen sie nicht und kein Bankautomat nahm unsere EC-Karte. Die Banken machten erst um 10 Uhr auf. So mussten wir hungrig warten. Die Bäckerei am großen Markt gibt es nicht mehr. Dafür waren die Häuser sehr schön saniert. Ich hatte sie eher grau in grau in Erinnerung.

Großer Markt in Brüssel

Unser 1. Frühstück fanden wir dann an anderer Stelle. Die Innenstadt von Brüssel ist definitiv eine Reise wert! Um in die Innenstadt zu kommen haben wir die U-Bahn ab dem Campingplatz genommen. Wir wollten gegen Abend ja noch weiter radeln.

1. Frühstück in Brüssel

Meine Erkenntnis aus dem heutigen Tag: Ich bin in der Lage ohne Brille zu reisen – auch in einer großen unbekannten Stadt. Bis auf die Zeit im Museum hatte ich keine Brille auf der Nase. Wenn ich nicht starre, bin ich in der Lage klar zu sehen. Sobald ich in die alte Gewohnheit gehe, wird es unschärfer. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich einiges verbessert!

Nach den ersten 30 km Radeln kommen wir in Denderhoutem an. Der Campingplatz ist seit 1 Jahr geschlossen 😳 Es ist schon 19:30 h. Die Weiterfahrt zum nächsten Platz in 10 km ausgeschlossen. Ein netter Belgier gibt uns ein Stück Wiese – keine Dusche – und doch kein illegales Campen.

Da wir dann auch keinen Strom hatten, wurde gespart für die Navigation statt Blog schreiben

Gefahrene Kilometer 30 – Zeit auf dem Rad 2 h

Tag 3 Denterhoutem – Tournai 26.07.2023

In Denterhoutem finden wir keinen Bäcker, dafür einen Brotautomat. Später im nächsten Supermarkt stellen wir fest, dass in einem fremden Geschäft, mit fremder Sprache die Einkaufsroutine nicht da ist. Alles dauert viel viel länger. Wie ist was verpackt? Und gibt es das was wir suchen hier überhaupt?

Es geht durch viel Natur und kleine Dörfer Richtung Tournai. Heute sehen wir viele verschiedene Tiere: Ziegen, Esel, Schafe, Pferde, Kühe, Katze, Hühner, Zebu, Kamele, Alpakas und Lamas. Unsere Strecke ist leicht hügelig und wunderschön zu fahren.

Am Campingplatz in Tournai gibt es für uns noch locker Platz. Wir sehen nur sehr wenige Camper dort. Endlich gibt es eine Dusche. Danach fahren wir mit dem Rad noch nach Tournai rein. Heute Abend wird nicht gekocht, wir gehen Pizza essen. Wie sich nachher herausstellt beim besten Italiener in der Stadt. Die Wartezeit von 30 min für einen Sitzplatz hat sich gelohnt. Pizzeria Monte Cristo in Tournai

Sylvia lacht in die Kamera, vor sich 2 sehr große Pizzen
Ziegenkäse-Honig-Pizza

Meine Augen fühlen sich mittlerweile sehr entspannt und bewegt an. So klar hatten ich den Nachteil der Brille noch nie gespürt. Sie sind wie befreit. Wenn ich relaxt bin sehe ich auch gut und alles was für mich wichtig ist scharf.

Gefahrene Kilometer 74, Zeit auf dem Rad 5 h

Tag 4 Tournai – Kortrijk 27.07.2023

In der Nacht hat es viel geregnet. Das Zelt ist weiter dicht, allerdings mussten wir es nass einpacken.

Die Idee einfach ins nahegelegene Spaßbad zu gehen hat sich schnell erledigt. Seit 2 Jahren zu, sagte uns der Platzwart des Campingplatzes.

Also sind wir am späten Vormittag gestartet. Und machten noch eine kleine Rundtour durch Tournai. Die Kathedrale war leider wegen einer großen Trauerfeier gesperrt. Eine offene Bäckerei haben wir vergeblich gesucht. Alle Bäckereien waren entweder im Urlaub oder ganz geschlossen. Das fiel uns die komplette heutige Etappe auf.

Aus Tournai heraus sind wir die Schelde entlang gefahren, das fühlte sich wieder ein bischen nach Kanalfahrten wie im letzten Jahr an. Auf der heutigen Tour immer wieder Regen, mal schwach, mal stärker. Wir sind den ganzen Tag im Regenponcho gefahren. Das Mittagessen gab es in einer überdachten Bushaltestelle.

In Kortrijk sind wir heute in der sehr modernen Jugendherberge. Dort trocknen wir unsere Sachen und ich kann mit schnellem Wlan an der Supervision mit Anat Axelrode – lausche Deinen Augen – teilnehmen. Diese monatliche Unterstützung ist mir sehr wichtig. Wir tauschen uns zu den geführten Augengesprächen aus und lernen voneinander.

Mit der Radfahrbrille fällt mir auf wie viel Fett die Augen so am Tag absondern. Abends ist sie komplett verschmiert. Warum Brillen verschmieren, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Meine Augen fühlen sich sehr entspannt an. Meine Brille haben ich seit Brüssel nicht mehr auf.

Gefahrene Kilometer 36 – Zeit auf dem Rad 2,5 h

Tag 5 Kortrijk – Houtkerque (Frankreich) 28.07.2023

Gefahrene Kilometer 54 Zeit auf 2,5 h

Tag 6 Houtkerque – Grand-Fort-Phillippe (Dunkerque) 29.07.2023

Garnicht so einfach mit dem Blog schreiben. Entweder kaum Zeit oder kein Netz. Letzteres ist gestern passiert. Wir waren relativ früh am Campingplatz und plötzlich nur noch ein E auf der Anzeige. Nix ging mehr. Wir fahren gleich los, weil es später regnen soll. Update folgt …

Was für ein traumhafter Campingplatz in Houtkerque, es gab zwar keine Dusche, dafür viel natürliche Idylle und Ruhe. Das war jetzt schon der 2. Platz ohne Dusche, Toiletten und Waschgelegenheit gab es dafür schon.

Dem Regen davon fahren? Das ist uns heute gelungen. Vor uns war am Himmel eine heftige Regenfront. Er hat uns nur einmal kurz erwischt. Nach wenigen Kilometern gab es in Esquelbecq eine Kirche wo wir uns unterstellen konnten. Danach hat es auf der ganzen Strecke bis zum Meer nur noch wenig getröpfelt.

Die Schwierigkeit heute: der Gegenwind!

Die Fahrt in die Festungsstadt Gravelines über die Ramparts war spannend, in der Stadt gab es außer den Festungsanlage leider wenig zu sehen. Immer wieder sind wir erstaunt, dass uns Städtchen und Orte überraschen oder auch die Erwartungen nicht erfüllen. Deshalb reisen wir ja.

Unser Campingplatz liegt in Petite-Fort-Phillip. Schon am Kanal war uns klar, das Meer war weg! Ebbe – dabei hatte ich mich so aufs Meer gefreut. Seit Jahren war ich nicht mehr an einer Küste.

Nach Zeltaufbau ging es trotzdem erstmal an den Strand. Das Meer war wirklich weg! Dafür blauer Himmel und warmer Sonnenschein. Am Strand waren wir fast alleine. Anders als am deutschen Wattenmeer hatten wir das Gefühl wir können bedenkenlos durch den Sand Richtung Meer laufen. Das war auch so. Keine Stellen wo wir hätten einsinken können. Doch sieh selbst:

Von der Düne sieht man ganz weit hinten ein Schiff auf dem Meer bei Ebbe
Das Meer ist weg!


Morgen fahren wir über den Kanal. Wir sind schon sehr gespannt was uns in Egland erwartet.

Unsere neuen Handys müssen mindestens jeden 2. Tag aufgeladen werden. Wenn wir mehr Bilder oder auch Recherche betreiben auch schon am gleichen Abend. Auf diesem Campingplatz können wir dies in der Dusche machen. Ein ungemütliches Gefühl bleibt doch das Handy einfach so im Waschhaus liegen zu lassen.

gefahrene Kilometer 53,  Zeit 3 h

Tag 7 Petite-Fort-Phillip – Kingsdown (England) 30.07.2023

Um 9 Uhr soll es regnen. Also noch vor dem Frühstück Zelt trocken abbauen. Es fallen wirklich um kurz vor 9 ein paar Tropfen. Nochmal leckeres Baguette, französischer Käse und Croissants. Dann schauen wir nochmal nach dem Meer 😉. Es ist immer noch weit weg von den Dünen. Los geht es die 12 km zum Fährhafen in Dunkerque zu radeln.

Vom Campingplatz sind es noch 12 km bis zum Fährhafen – sehr gut zu fahren
Fahrrad-Wegweiser zur Grenzstation im Fährhafen
Rechts hoch sollte unsere Einfahrt sein. Leider nur schiebend
Vollig unerwartet, Fahrradständer mit Seilen zum Vertauen der Räder
Viel Platz noch im LKW Deck

Die Überfahrt verging wie im Flug. Von den anderen Radfahrer gab es noch Tipps für England. „Erwartet keine Radwege!“ In Dover selbst gab es dann doch Radwege. Die Fahrt aus der Fähre heraus war kein Problem. Es gibt eine rote Linie auf der Straße, der man einfach folgt. An einer Stelle gibt es ein Tor, das auf Klingeln geöffnet wird. Ganz schnell waren wir in Dover am Hauptplatz in der Stadt.

Ach ja, Geld wechseln, das ist schon lange her, dass wir nicht in Euro zahlen konnten. Ein weiterer Vorteil der EU. Wie viel sollen wir abheben? Diese Frage war früher schon schwierig, nicht zu wenig, dass wir nicht ohne Bargeld in Landeswährung da stehen und auch nicht zu viel.

Dann begann der steile Anstieg zu Dover Castle. Am Anfang war nur schieben möglich. Am Kassenhäuschen sollten wir 60 Pfund bezahlen. Umgerechnet ca. 70 Euro. Um nur mal kurz zu gucken und dann nach Kingsdown weiter zu fahren, war uns das zu viel. Außerdem regnete es in Strömen, die Sicht ist miserabel.

Dann bekamen wir den Tipp des 9 Tage Tickets für alle English Heritage Sites. Für wenig mehr konnten wir mit diesem Ticket auch in Canterbury usw. in die Sehenswürdigkeiten. Also los ins Schloss …

Gefahrene Kilometer 19, davon 12 km in Frankreich und 7 km in England, diese mit vielen Höhenmeter hoch und dann auch runter. Gefahrene Zeit 1 h

Tag 8 Kingsdown – Canterbury 31.07.2023

Schon heute morgen fing der Tag mit Sprühregen an. So ging es bis kurz vor Canterbury weiter. Da klarte es plötzlich auf und es kam echt noch die Sonne raus.

Nach wenigen Kilometern der Küste und dem „Strand“ entlang besuchten wir Walmer Castle. Die ursprüngliche Festung wird immer noch als temporärer Wohnsitz des Lord Warden benutzt. Der letzte ist im November 2022 verstorben. Jetzt wird darauf gewartet wem King Charles den lebenslangen Titel als nächstes gibt. Auch Queen Mum hatte ihn, daher kann man hier noch ihren Garten bewundern. Falls Du hier mal vorbei kommst, gehe unbedingt in diese Festung. Du wirst überrascht sein.

Danach war Deal Castle wenige Kilometer weiter dran. Ganz anders, aber nicht minder sehenswert. Für uns war es auch eine schöne Abwechslung zum Dauerregen.

Fahre ich immer noch ohne Brille? Heute musste ich leider irgendwann meine Brille rausholen. Ich habe deutlich schlechter als die letzten Tage gesehen. Ein Grund: ich lag heute Nacht irgendwann wach und war daher nicht ausgeschlafen. Alleine der Schlafmangel lässt mich schlechter sehen.

Dann noch das schlechte Wetter, dieses grau in grau. Als kurz vor Canterbury die Sonne raus kam, habe ich sie wieder weg gepackt. Warum? Ich hätte ja damit weiter fahren können… Die Brille verengt meinen Blick. Ich spüre wie die Anspannung rund um die Augen in den Muskeln immer stärker wird je länger ich sie aufhabe. Es ist mir unmöglich entspannt mit Brille zu sehen. Je länger die Zeit ohne, umso mehr fällt mir dieser Effekt auf. Für Weitsichtige mag es ja hilfreich sein, für Kurzsichtige ist es definitiv kontraproduktiv. Morgen bleibt in London, die Brille wieder weg. Dafür gehe ich bald in den Schlafsack …

Gefahrene Kilometer 40, gefahrene Zeit 3 h

Tag 9 Tagesausflug nach London 01.08.2023

Zelt und Fahrrad bleiben stehen. Es geht nach London. Von Canterbury gibt es einen Schnellzug, der in 1h in London Pancras ist. Erst waren wir geschockt über die Preise bei der British Railways. Auch weil die nette Frau auf dem Campingplatz meinte, kein Problem ihr braucht nicht vorbuchen, einfach an Canterbury West ein Ticket ziehen. Davon raten wir ab! Schlussendlich hatte ich ein Ticket mit Return ausgewählt und Peak Off, also erst nach 9 Uhr nutzbar, dafür ohne Zugbindung. Das hat uns dann für beide rund 100 Euro gekostet. (statt 200 Euro 😅)

Beim Frühstück dann noch die Überraschung. Unser Essen hat auch einer Ratte o.ä. geschmeckt. Der Essensack ist mit einem großen Loch versehen und bei der Erdnussbutter fehlt der 4tel Deckel. Auch andere Lebensmittel sind unbrauchbar. Mit Panzertape wird das Loch geflickt.

Der Zug fährt ein. Mit sticht etwas an der linken Hand. Blitzschnell schlage ich drauf und treffe die Wespe, die mich dann nochmal sticht. Super, danke schön. Sie fliegt weg. So laufe ich heute durch London und habe immer wieder eine neue kalte Getränkedose in der Hand. Ich hoffe ich kann damit morgen wieder Radfahren.

Abends die nächste Überraschung. Die Ratte war wieder an unseren Vorräten und hat ein weiteres Loch in den Sack gefressen. Der Sack übernachtet jetzt in den Duschen des Campingplatzes.

Für so viele Schritte sind Barfussschuhe eher nicht geeignet. Weiter laufen geht im Moment garnicht mehr und ich bin froh, dass ich morgen wieder auf dem Rad sitze.

Gelaufene Schritte 27.000

Tag 10 Canterbury – Ashford 02.08.2023

Jetzt ist nicht nur der Daumen geschwollen sondern noch ein Teil der Hand. Also weiter kühlen. Das ging in der Nacht leider nicht gut. Eine weitere Herausforderung ist die Zeltstange. So ist sie nicht mehr benutzbar. In Canterbury gibt es 5 Outdoor -Läden. Dort werden wir nach einem Ersatz suchen.

Mit einem weinenden Auge hinterlassen wir das alte Zelt im Outdoor-Laden. Immerhin hat es uns fast 7000 km begleitet.

Dieser Tag hat es in Sicht. Von Sprühregen bis Starkregen war alles dabei. Klatschnass erreichen wir um 20:30 h den Campingplatz und bauen das neue Zelt auf. Wir stellen fest, egal ob im Internet steht dass die Plätze schon zuhaben. Sobald wir klatschnass da stehen gibt es für uns immer noch ein Plätzchen. Gekocht wird heute Abend unter dem Vorsprung des Duschhauses schon im Dunkeln.

Tag 11 Ashford – Rye – New Romney 03.08.2023

Die erste Nacht im neuen Zelt war super. Es fühlt sich wie ein Umzug an. Wie gehen jetzt die „Türen“ auf? Jedenfalls scheint die Sonne und wir können noch einige Sachen trocknen.

Bis Rye hatten wir wunderschöne Abfahrten und viele steile Anstiege. Zum Schluss ging es dem Kanal entlang. Rye ist ein pitoreskes mittelalterliches Städtchen mit vielen Touristen. Es gibt kleine Lädchen und Bäckereien mit vielen Leckereien. Nach der längeren Mittagspause ging es bis nach Lydd auf dem nationalem Fahrradweg Nummer 2 quer durch das Marschland. Von Lydd bis New Romney mussten wir dann auf der stark befahrenen Landstraße fahren. Dazu kamen jede Menge kleinster Mücken. Die machten ein Sprechen unmöglich. Zuerst waren wir am falschen „Campingplatz“, sie bieten nur Glamping an. Eigenes Zelt mitbringen? Fehlanzeige! Als zurück gefahren zum Caravanpark New Romney https://www.newromneycaravanpark.co.uk/camping

Tipp: Bis jetzt hatte laut Internet jeder Campingplatz schon geschlossen bis wir dort ankamen. Es war immer noch jemand da. Eine Platz haben wir dann immer bekommen.

Der heutige Tag war bis jetzt der einzige auf der ganzen Tour ohne einen Tropfen Regen.

Gefahrene Kilometer 55, Zeit 3 h

Tag 12 New Romney – Folkstone 04.08.2023

Nach Sonne kommt Regen und wieder Sonne. So könnte der Titel des heutigen Tages heißen. Von starkem Gewitter, warmen Sonnenschein bis einem Regenbogen bis nach Frankreich war alles dabei.

Gefahrene Kilometer 29, 2,5 h

Tag 13 Folkstone – Dover – Dunkerque 05.08.2023

Das Zelt haben wir heute relativ früh zusammen gepackt. Es sollte ab 9 Uhr regnen. Dafür hatten wir nochmal ein Frühstück mit diesem fantastischen Ausblick. 8:20 h ging es los vom Campingplatz Richtung Dover. 190 Höhenmeter hoch lagen vor uns auf wenigen Kilometern. Der steilste Tag unserer Tour. Kaum los geradelt setzt der Regen ein. Noch hatten wir eine schöne Sicht über Folkstone. Der Fahrradweg führt uns in einer großen Kehre hoch auf die weißen Klippen bis nach Dover. Wir genießen weitere atemberaubende Ausblicke auf die Küste. Viele Kilometer vor Dover ist schon die endlose Schlange LKWs zum Fährhafen zu sehen.

Fahrradbrücke über die Zufahrtsstraße nach Dover

In Dover angekommen haben wir noch ein paar Stunden Zeit bis zur Abfahrt nach Dünkirchen. Wir besuchen diesmal die Tunnel im Dover Castle. Die Führung durchs Tunnelsystem dauert ca. 60 min. Mittlerweile regnet es wieder heftig so dass wir froh sind dem Regen etwas zu entkommen. Ess erwartet uns ein Teil der Geschichte im 2. Weltkrieg den wir noch nicht kannten. Die große Evakuierung der britischen und Alliierten Truppen im Sommer 1940 aus Dunkerque. In wenigen Tagen wurden 300.000 Menschen über den Kanal gebracht. Sehr berührend.

Schlussendlich sitzen wir klatschnass in der Fähre. Wir beschließen in Dunkerque eine feste Unterkunft zu buchen. Als wir in Dünkirchen ankommen scheint kurz die Sonne. Es regnet wieder als wir von der Fähre fahren. Der Tag bekommt das Motto: 3 mal klatschnass. Im Apartment in the all suites in Dunkerque gibt es einen Wäscheständer. Dort hängt jetzt erstmal alles zum Trocknen.

Gefahrene Kilometer 40, Zeit?

Tag 14 Dunkerque (Frankreich) – Bredene (Belgien) 06.08.2023

Gefahrene Kilometer 60 , Zeit 3 h

Tag 15 Ausflug nach Brügge 07.08.2023

Heute morgen scheint die Sonne und der starke Wind hat aufgehört. Mit der Strandstrassenbahn geht es Richtung Brügge. Übrigens ist diese Strassenbahn die längste der Welt.

Von Wenduine Molen ab nehmen wir den Bus 31. Die Fahrt kostet jeweils 2,50 Euro pro Verkehrsmittel. Hier geht es zur Auskunft https://www.delijn.be/de/

In Brügge steigen wir bei t‘ Zand aus. Dort ist auch gleich die Touristeninformation wo wir uns einen Stadtplan besorgen. Mit der kostenlosen App visit Bruges werden wir eine Route durch die Stadt laufen.

Tag 16 Bredene – Cadzand (Holland) 08.08.2023

Gefahrene Kilometer 47, Zeit 2 h

Tag 17 Cadzand – Oostkapelle 09.08.2023

Der heutige Tag brachte sehr unterschiedliche Fahrtstrecken. Zuerst ging es den Dünen und Deichen entlang Richtung Fähre nach Vlissingen. Das Wetter war endlich etwas wärmer und so waren wir viele Fahrradfahrer. Trotzdem ging es ganz entspannt. Die Radwege in den Niederlanden sind einfach super!

An der Fahrstation brauchten wir etwas Zeit um herauszufinden, dass wir ein Ticket am besten online bekommen. Nach 30 min waren wir auf der nächsten Fähre nach Vlissingen. Übrigens können nur Fußgänger, Radfahrer und kleine Krafträder auf die Fähre. Die Autos müssen einen Umweg durch den Tunnel nehmen. So standen wir dann in Vlissingen an der ersten Ampel nach der Fähre erst mal im Fahrradstau. War auch mal nett!

Vlissingen ist sehr sehenswert, ebenso Middelburg. Durch beide Städtchen haben wir eine kleine Runde gedreht. In Middleburg war gerade ein Foodfestival an der Mühle. Nach ein paar Köstlichkeiten fahren wir weiter nach Oostkapelle. Über Wiesen und Felder und durch kleine Dörfer sind wir nach 30 min dort. Nur wo schlafen? Beim dritten Campingplatz haben wir Erfolg. Inmitten einer Streuobstwiese steht jetzt unser Zelt, herrlich. Hier bleiben wir 2 Tage.

Gefahrene Kilometer 37, Zeit 2 h

Tag 18 Rund um Domburg und Veere 10.08.2023

Gefahrene Kilometer 36 , Zeit 2 h

Tag 19 Oostkapelle – Stellendam 11.08.2023

Heute geht es von Insel zu Insel in Zeeland. Ein kleiner Abstecher nach Zierikzee ist auch dabei. Als wir dort ankommen sind wir froh, dass wir den Umweg eingeplant hatten. Sehr hübsches Städtchen. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Deichbruch von 1953 vorbei. Der alte Deich wurde nie repariert und ist noch sehr gut zu sehen.

Liebe verschenken

Heute verteile ich nochmal ganz viel Liebe. Am Montag bekam ich eine Geschichte zu geschickt. Diese kannst Du in meinem Telegramkanal unter https://t.me/proauge im Beitrag vom 07.08.2023 nachlesen. Die Kurzanleitung: Beachte jeden Menschen, der Dir begegnet und denke dabei „Ich liebe dich“. Das wars auch schon. Freue mich über einen Kommentar von Dir, wie es Dir damit geht und welche Entdeckung Du damit machst.

In Zierikzee ist heute ein Mittelalter-Markt in der ganzen Stadt verteilt. Im Hafen liegt ein nachgebautes Segelschiff von 1340. Zusammen mit der Kulisse der Stadt fühlen wir uns zeitversetzt.

Von Zieriksee brechen wir am Nachmittag nach Ooutdorp auf. Wie geht es über einen Damm auf die nächste Insel. In Ooutdorp steuern wir den Campingplatz an. Nach 70 km und einem ereignisreichen Tag sind wir froh da zu sein. Doch das ist kein Campingplatz mehr. Die Frau am Telefon erklärt uns, sie hat noch Platz für uns, allerdings in Stellendam! Also fahren wir noch 14 km weiter. Nach gut 30 min sind wir dort. “ Sie sind aber schnell!“ Ja, mit Rückenwind geht das 😂

Gefahrene Kilometer 84, Zeit 4 h

Tag 20 Stellendam – Delft 12.08.2023

Es brasselt Regen aufs Zelt. Wir drehen uns nochmal um und dösen weiter. Langsam lässt der Regen nach. So starten wir heute erst um 10:30h. Unser erster Stop ist an der Sehhund-Auffangstation in Stellendam. Dort ist es dann schon richtig sonnig. Wir lernen viel über den gemeinen Sehhund und warum sie in die Auffangstation kommen. Im Schnitt sind sie dort 3 Monate. Sie werden behandelt und wieder aufgepäppelt, bis sie wieder ins Meer frei gelassen werden.

Dann ging der Weg über den letzten Damm nach Südholland und nach Brielle. Auch dieses Städtchen ist eine Reise wert und hat eine gut erhaltene Altstadt. Von Brielle ging es dann Richtung Maassluit. In Rozenburg gibt es eine Fahrradfähre über die Maas. Es ging abenteuerlich im Zick-Zack mitten durch die Hochsee-Containerschiffe hindurch. Maassluit hat ebenfalls schöne Kanäle mit historischer Bebauung. Ab da sind wir durch sehr viel Natur entlang der Kanäle und durch Wiesen und Felder zum nächsten Campingplatz südlich von Delft gefahren. Auch hier gibt es Platz für uns. „Für Radfahrer gibt es immer Platz“. Am Abend sitzen wir an einem Delfter Kanal und trinken ein Bier (alkoholfrei).

Gefahrene Kilometer 55, Zeit 3 h

Tag 21 Tagesausflug nach Delft 13.08.2023

Auf diesem Campingplatz bleiben wir 3 Nächte. Heute treffen wir uns mit Freunden aus Neuseeland. Sie sind 3 Monate in Europa. Der heutige Tag war der einzige Zeitslot den wir gefunden hatten um uns an einem Ort zu gleichen Zeit zu treffen. Wir genießen die gemeinsame Zeit!

Gefahrene Kilometer 12, 30 min

Tag 22 Tagesausflug nach Den Haag und Scheweningen 14.08.2023

Es geht ans Meer! Doch zuerst treffen wir uns spontan mit Freunden aus Israel. Sie hatten gestern meinen Beitrag auf Facebook gesehen und mir per WhatsApp geschrieben. Sie sind auf Urlaub in Holland und gerade in Den Haag! Wir radeln also erst bei ihnen im Hotel vorbei und freuen uns über diese unverhoffte Begegnung. Die Freunde fahren weiter. Vielleicht treffen wir uns in den nächsten Tagen nochmals.

Den Haag ist wirklich super schön. Ganz anders als erwartet. Uns wurde das Besucherzentrum des internationalen Gerichtshof empfohlen. Leider hat es Montag und Dienstag geschlossen. Davor entdecken wir die Flamme des Friedens (Bilder folgen)

Gefahrene Kilometer 41, Zeit 2:15 h

Tag 23 Delft – Haarlem 15.08.2023

Nicht unser Tag! Nach wenigen Kilometern das Aus für meine Schaltung. Nichts geht mehr. Ich trete komme aber nicht mehr vorwärts. Der nächste Radladen ist nur 3 Häuser entfernt. Die Diagnose: Der Freilauf der Kettenschaltung ist kaputt. Dauert 1-2 h, dann sollen wir wieder kommen. Ich bitte ihn mich anzurufen wenn das Rad fertig ist. Immerhin wollten wir heute bis nach Haarlem.
Also gehen wir doch noch ins Vermeer-Museum in Delft. Den Meister des Lichts.

Die Fahrt nach Haarlem fällt aus. Wir beschließen heute noch bis Katwijk ann Zee zu fahren.

Gefahrene Kilometer 30, Zeit 3 h

Tag 24 Katwijk – Utrecht 16.08.2023

Unsere letzte Nacht im Zelt. Mit Sonnenschein am Morgen kommt ein bischen Wehmut auf. Heute geht es den Oude Rijn, den alten Rhein entlang. Noch bevor wir in Leiden an den alten Rhein kommen ist die Fahrt per Fahrrad zu Ende. Nichts geht mehr. Diesmal blockiert das Hinterrad an meinem Fahrrad komplett. Das gebrauchte Hinterrad aus Delft hat leider nur 40 km gehalten. Im nächsten Fahrradladen kann man uns leider nicht helfen. Das Ersatzteil ist nicht da. Wir entscheiden bis zum Hbf Leiden zu schieben, ca 1 km und nehmen von dort den Zug nach Utrecht. Ich bin sehr traurig, dass unser Radeln nach 911 km so endet. Besonders weil uns morgens auf dem Campingplatz die heutige Strecke als besonders schön beschrieben wurde.

In Utrecht versuchen wir es nochmal mit einer Reparatur, denn auch morgen in Frankfurt müssen wir noch irgendwie vom Flixbus nach Hause kommen ohne schieben. Wir haben in Utrecht im 1. Radladen in der Nähe des Bahnhofs Glück. Er wechselt nochmal das komplette Hinterrad. Es ist nur eine Notlösung. Die Ritzel passen nicht zur Schaltung. Immerhin kann ich jetzt bis zum Hotel fahren. Gang wechseln geht nicht. Trotzdem bin ich überglücklich wieder auf dem Rad zu sitzen statt zu schieben.

Gefahrene Kilometer 16, geschobene Kilometer 3 km, Zeit?

Tag 25 Utrecht – Frankfurt 17.08.2023

Am letzten Urlaubstag genießen wir noch Utrecht. Lassen uns langsam an den Grachten entlang rollen. Beobachten das Verkehrsknäuel, das sich immer wieder auflöst. Wir sind begeistert von den unglaublich vielen Radfahrern. Genießen ein letztes Mittagessen in den Gassen von Utrecht und besuchen noch den Dom.

Noch ein letztes Mal geht es wieder in einen fremden Supermarkt. Ich stelle fest, dass ich eine Routine mit immer wieder wechselnden Märkten gefunden habe. Ich suche nach den Kategorien, nicht wie bei den ersten Einkäufen in Belgien, wo wir durch alle Gänge gelaufen sind. Wo sind die Kühltheken? Wo stehen die Getränke? usw.

Zurück geht es wieder mit dem Flixbus. Diesmal hat er fast 1,5 Stunden Verspätung. Das verladen der Fahrräder ist problemlos, der Fahrer macht den Check-in pragmatisch schnell um möglichst schnell los zu kommen. Eventuell erreichen wir in Frankfurt keinen Regionalzug mehr nach Hause. Gut, dass mein Fahrrad wieder funktioniert. Im Notfall radeln wir dann heim.

In Frankfurt hat der Fahrer die Verspätung fast wieder reingefahren. Wir können also noch die Reginalbahn nach Darmstadt nehmen. Die letzten 4 Kilometer vom Bahnhof nach Hause geht nach noch richtig leicht. Um 1:11 Uhr sind wir wieder zu Hause!

Gefahrene Kilometer 17

Unser Fazit der Radreise

Wir sind gemütliche Radreise. 1. sind wir im Urlaub und 2. wollen wir unterwegs auch Land, Leute und Geschichte kennenlernen. Daher fahren wir zwischen 30 – 60 km am Tag. Es gab ein paar Ausnahmen mit weniger und mehr Kilometern. Insgesamt sind wir diesen Sommerurlaub 950 Kilometer geradelt. Die gefahrenen Höhenmeter können wir leider nicht bestimmen.

Belgien

Wir haben nicht ein einziges Mal Fritten gegessen. Schöne Städte, teilweise bedrückende Geschichte zum 1. Weltkrieg. Fahrradfahren sehr angenehm. Autofahrer nehmen extrem viel Rücksicht. Später haben wir erfahren, dass es in Belgien hohe Strafen gibt wenn Autofahrer den Radfahren die Vorfahrt nehmen. Manchmal war es fast schon unangenehm, dass die Autos einfach nicht fahren wollten bis wir über die Kreuzung waren. Spannend zu sehen wie innerhalb eines Landes die Sprache immer wieder wechselt. Gebiete mit mehrheitlich Flämisch und dann Gebiete wo wieder hauptsächlich Französisch gesprochen wird. Im Landesinneren gibt es wenig Campingplätze sodass wir die Routen im Vorhinein gut planen mussten. Spontan ging da nichts. Sehr schöne Städte auf dem Weg. Die Belgier fahren wenig Rad, es gibt gute Radwege, es sind uns fast nur Rennradfahrer begegnet. Belgische Küste, schöne Strände, sehenswerte Städte, viel Natur aber auch Abschnitte mit hässlichen Apartmenthäuser entlang der Küste.

Frankreich

Sofort viel mehr Radfahrer gesehen, gut ausgebaute Radwege. Es gibt unglaublich viele Campingplätze in der Region Hauts-de-France. Wir waren insgesamt auf 2 Campingplätzen und 1 Hotel in Frankreich. Den Umweg über Calais hatten wir uns gespart und dadurch mehr Zeit in England. Tolle Strände, der Abschnitt westlich von Calais ist sicher auch mal eine Reise wert. Dunkerque lohnt sich auch zum Sightseeing. Die Geschichte der Gegend im 2. Weltkrieg hat uns sehr berührt.

England

Mehr Radwege als vorhergesagt. Trotzdem nicht allzuviele. Die Straßen sind seitlich sehr brüchig, besonders bei Regen ist das Fahren sehr anstrengend. Da man immer schauen muss ob man jetzt in ein Loch fährt. Auf den Fahrbahnen entstehen große Pfützen. England ist seehr hügelig. Dabei ist Kent noch der flachere Teil. Wir wollen gerne nach England zurückkommen, allerdings nicht mit dem Fahrrad. Das Fahren dort war sehr anstrengend. Trotzdem sind die englischen Autofahrer auf dem Land sehr entspannt bei Radfahrern und fahren lieber noch ein bischen hinter einem her. Je näher an größeren Städten umso ungeduldiger waren die Autofahrer. Die Umstellung auf den Linksverkehr war einfacher als gedacht. Allerdings haben wir bewusst morgens beim Losfahren auf LINKS geachtet. Das Rechtsabbiegen hatten wir manchmal echt Fehler gemacht, die uns aber nicht gefährlich wurden. Die Engländer fahren insgesamt sehr defensiv. Campingplätze gab es in England reichlich. Die Lage war oft sehr schön. Preislich ist England etwas teurer als Deutschland.

Niederlande

Radfahren ist ein Traum. Soviele Radfahrer sieht man sonst in keinem europäischen Land. Völlig entspannt wird auch mal ein Rollkoffer nebenher gezogen. Alle übernehmen die Verantwortung für die Sicherheit und haben die anderen Verkehrsteilnehmer im Blick. So entflechtet sich der Verkehr oft ganz ohne die vorgegeben Regeln ganz pragmatisch. Es gibt überall Radwege und manchmal auch einen Fahrradstau – herrlich!

Campingplätze haben immer noch einen Platz für nass triefende Radfahrer, aber nicht alle Plätze machen noch Camping. D.h. das eigene Zelt aufstellen ist nicht bei allen möglich. Daher gut hinschauen. Oft ist nur Glamping oder festes Mobilhome möglich. Das dann auch eben nicht spontan. Wir haben trotzdem immer ein Plätzchen fürs Zelt gefunden. Wild campen ist ein No-go in Holland!

Zeeland hat uns am besten gefallen, da es wenig besiedelt ist im Vergleich um die Gegend zwischen Den Haag und Amsterdam. In die Niederlande werden wir bestimmt wieder fahren und uns dann auch den nördlichen und östlichen Teil mit dem Rad anschauen. Ach ja und es gibt gefühlt an jeder Ecke einen Radladen der einem bei Ausfall der Technik weiterhilft.

Vegetarisches Essen in den Ländern

Wir sind Vegetarier. Daher haben wir Kocher und Kochgeschirr mit Gaskocher plus Gewürze dabei. In England und Holland haben wir immer wieder Straßenverkäufe von frischem Obst und Gemüse entdeckt. Geld in die Box und eingepackt. In allen Ländern gibt es in den Lebensmittelläden eine breite Auswahl für Vegetarier und auch Veganer.

Wie hat sich das neue Material bewährt?

Ich liebe diesen neuen Schlafsack. Er ist leicht und hat mich bei allen Temperaturen warm gehalten. Nachts war es doch empfindlich kalt. Das Modell ist von Friluft. In einem guten Outdoorladen wie Globetrotter lass Dich auf jeden Fall beraten und probeliegen. Ich hätte alleine einfach einen zu kurzen Schlafsack ausgesucht.

Das Backpack von Ortlieb ist ein Traum. Kein Verschieben beim Fahren mehr. Durch die Öffnung nach oben kommt man auch gut an die Sachen dran ohne alles auspacken zu müssen.

Die Smartphonehalterung hat sich ebenfalls bewährt. Mein Handy wurde nicht nass und ich konnte während des Fahrens die Karte gut einsehen.

Die neuen Ziphosen, ebenfalls von Friluft, haben mir ebenfalls geholfen. Besonders da gegen Ende der Reise meine alte Ziphose einen großen Riss bekommen hat und damit unbrauchbar.

Die Fahrrad-Sportbrille hätte manchmal einen Scheibenwischer gebrauchen können. Sie hat mich vor einigen größeren Insekten und auch vor starkem Wind geschützt. In Zukunft werde ich weiter mit solch einer Brille fahren.

Die Barfussschuhe mit Profilsohle sind ein Traum. Bei dem Städtetrip nach London mit viel Asphalt hätte ich besser die anderen Schuhe angezogen. Ansonsten sind die Schuhe eine Erleichterung für meine Füße.

Anders als geplant konnten wir nicht so regelmäßig schreiben und Bilder hochladen. Die Akkuladung des Handy brauchen wir hauptsächlich für die Navigation und Unterkunftsuche.

Lass uns gerne einen Kommentar da. Hast Du Fragen zu bestimmten Themen in der Reisebeschreibung?

7 Antworten auf „4 Länder-Radtour – Belgien, Frankreich, England, Niederlande 2023“

  1. Liebe Sylvia,
    Vielen Dank für dein Update und deine Beschreibungen. Bravo.
    Wie schafft ihr es, eure Kleidung trocken zu halten bzw. Zu trocknen, wenn nass? Gibt es vllt Fahr- und „Pausen“-Garderobe? (Es hat ja ziemlich viel geregnet).
    Herzlichst, Andrea

    1. Liebe Andrea, lieben Dank für Deine Frage. Wir hatten deutlich weniger Regen als in Deutschland. Trotzdem sind wir auch mal in einen starken Regen gekommen und konnten uns nicht in der nächsten Bushaltestelle unterstellen.
      Als wir auf die Fähre in Dover zurück nach Dünkirchen gefahren sind, hat es z.b. sehr stark geschüttet. Wir saßen dann klatschnass auf der Fähre. Dort haben wir entschieden uns in Dünkirchen ein Hotel zu gönnen. Das war auch dringend notwendig um einige Sachen wie z.b. Schuhe zu trocknen.
      Prinzipiell radeln wir mit anderer Kleidung als wir dann Abends nach dem Duschen benutzen.
      Um die nicht getragene Kleidung trocken zu halten haben wir Ortlieb Packtaschen und zusätzlich die Kleidung noch in Plastiktüten verpackt.
      Herzliche Grüße Sylvia

      1. Vielen Dank, liebe Sylvia. Jedenfalls finde ich es super, dass ihr diese Tour auf dem Rad macht. Die Motivation bei Regen hoch zu halten ist sicherlich herausfordernd. Lg Andrea

    1. Liebe Birgit, freut mich, dass Dir der Bericht gefällt! Update kommt immer dann wenn ich Netz habe und nicht mit Schlafplatz suchen, Essen besorgen, Route planen oder radeln beschäftigt bin.
      Liebe Grüße Sylvia

  2. Boah – da habt ihr euch einiges vorgenommen. Ich bin bestimmt (wenn auch nur lesend) mit dabei. Wir fahren selbst jedes Jahr in die Nähe von Middelburg und haben auch immer die Fahrräder dabei. Aber 3,5 mit dem Fahrrad unterwegs sein, ist natürlich etwas anderes. Ich hoffe jetzt einfach mal auf viele Bilder, die man als „Otto-Normal-Reisender“ nicht sehen würde.

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