Was ist eigentlich Augentraining und Sehtraining und kannst Du damit etwas bewirken?

Sylvia wirft Brille weg

Als ich vor über 30 Jahren das erste Buch über Augentraining in die Hände bekam, war ich ziemlich unsicher, ob die Methode bei meiner starken Kurzsichtigkeit helfen würde.

Diese Unsicherheit abzulegen hat natürlich eigenes Erleben gebraucht und ganz wichtig Vorbilder. Heute kenne ich viele Menschen sogar persönlich, die durch Augen- und Sehtraining ihre Brille tatsächlich dauerhaft weglegen konnten.

Meine eigene Sehfähigkeit hat sich gravierend verbessert. Teilweise brauche ich keine Brille mehr. Ab und zu benötige ich sie noch als Hilfsmittel und Unterstützung im Alltag.

Was ist jetzt eigentlich Augentraining?

Beim Augentraining geht es um Übungen, um die Augäpfel wieder zu bewegen. Die meist verkrampften und damit zu starken äußeren Augenmuskeln werden dabei wieder geschmeidig gemacht und erlangen ihren eigenen Muskeltonus wieder. Aus dieser Postion heraus sind sie wieder in der Lage die kleinen schnellen Blickschwünge (Mikrosakkaden) auszuführen. Diese benötigen die Augen um ein gutes scharfes Bild ans Gehirn zu liefern. In der Sehrinde in Deinem Hinterkopf werden dann diese Informationen zu einem Gesamtbild zusammengesetzt.

Es geht beim Augentraining also erst mal um eine Lockerung der Augenmuskeln. Setze doch einfach einmal Deine Brille ab und schaue, ohne viel den Kopf zu bewegen, nach rechts und links oder auch oben oder unten. Wie fühlt es sich an?

Wenn das doch etwas schwergängig ist, wäre Augentraining eventuell etwas für Dich. Gehe dabei bitte behutsam vor. Weniger ist da wirklich mehr! Lieber öfter in den nächsten Tagen wiederholen.

Und was passiert beim Sehtraining?

Eventuell hast Du schon mal wo gelesen oder gehört, dass Augentraining nichts bringt. Das stimmt, Augentraining alleine wird Dir Deine Brille nicht ersparen.

Sehtraining setzt im Gehirn an. Wenn Du beispielsweise kurzsichtig bist, bekommt Dein Gehirn ein kleineres Bild geliefert als in der Realität. Bei Weitsichtigkeit ein größeres. Bei einer Veränderung muss das Gehirn also erst wieder lernen, das neue Bild zu integrieren.

Sehr deutlich kann ich mich an diesen Vorgang erinnern, als ich mit 18 Jahren von Brille auf Kontaktlinsen umgestellt hatte. Bei damals ca. -8 Dioptrien Kurzsichtigkeit plus etwas Hornhautverkrümmung hat sich dieses Bild gravierend verändert. Eine Kontaktlinse sitzt näher am Auge und verzerrt das Bild an den Rändern nicht wie eine Brille.

Die Umstellung in diese Richtung hat prima geklappt. Als ich allerdings nach einem halben Jahr für den Sommerurlaub mir wieder eine Brille habe anfertigen lassen, kam die Überraschung. Bei Treppen erschienen die Stufen plötzlich gebogen. Es hat ein paar Tage gedauert bis ich wieder Treppen laufen konnte. Damals wurde mir klar, wie viel Anteil das Gehirn, die Sehrinde im Hinterkopf, an meinem Sehen hatte.

Bei der Umstellung auf die Kontaktlinsen musste ich alle Längeneinheiten neu lernen. Abzuschätzen was z.B. 30 cm sind, fiel mir schwer. Es passte einfach nicht mehr.

Muss ich für eine wirkliche Veränderung jeden Tag Augenübungen machen?

Nein, das musst Du nicht. Die Augenübungen und Sehübungen fürs Gehirn helfen Dir zu geänderten Sehgewohnheiten zu kommen.

Fehlsichtigkeiten entstehen oft durch Stressmuster bei denen Anspannung eine große Rolle spielt. Durch die Augenübungen erlebst Du wie natürliches entspanntes Sehen eigentlich geht. Diese Entdeckung übernimmst Du dann nach und nach in Deinen Alltag. Schließlich siehst Du den ganzen Tag. Also kannst Du auch den ganzen Tag die neuen Gewohnheiten integrieren.

Du siehst es ist also gar nicht schwierig Dein Sehen zu verändern. Es braucht Kontinuität und eine Regelmäßigkeit. Die Antwort ist also ja, Du solltest jeden Tag Augenübungen machen, allerdings braucht es dazu nur wenige Minuten am Tag. Und irgendwann brauchst Du auch keine Übungen mehr.

Welche Vorteile bringen mir Augen- und Sehtraining noch?

Sehen ist ganzheitlich, der ganze Körper ist am Sehvorgang beteiligt. Daher fördern Augen- und Sehübungen Deine Körperwahrnehmung. Nach und nach kommst Du in mehr Eigenverantwortung für Deinen Körper.

Als ich durch das Sehtraining bemerkte, dass ich kein dreidimensionales Sehen hatte, war ich erst mal sehr erschrocken.

Warum hat das noch nie jemand gesagt? Warum ist das bei den Tests beim Augenarzt nicht aufgefallen?

Nach und nach habe ich das erste Mal in meinem Leben, Mitte 40, dreidimensional gesehen.

So ein mehr an Lebensqualität!

Es ist schlecht zu beschreiben was dreidimensionales Sehen für einen Seheindruck hinterlässt. Da ich fast mein ganzes Leben lang dies nicht vermisst hatte, weil ich es nicht kannte, würde ich es heute nicht mehr hergeben. Diese Tiefenwahrnehmung und Lebendigkeit. Was für ein Unterschied einen Baum in seiner räumlichen Ausdehnung sehen zu können.

Warum heißt es Training? Ist es wie im Fitnessstudio?

Der Begriff Augentraining ist vor über 100 Jahren entstanden. Ein New Yorker Augenarzt hatte entdeckt, dass Brillen nicht die Lösung des Problems sind. Damit hat er sich übrigens nicht nur Freunde gemacht ;-). Die Brillenindustrie fing gerade an zu boomen.

In den 1930er Jahren schwappte das Augentraining über den großen Teich nach Deutschland. Wenn man to train nun damals übersetzte, hieß es nicht nur trainieren, sondern auch lernen und entwickeln. Das beschreibt auch besser was beim Augentraining wirklich passiert.

Du entwickelst Deinen Sehsinn wieder hin zum natürlichen Sehen und lernst dadurch wie entspanntes gutes Sehen geht. Das Wort funktionieren verwende ich hierfür nicht gern. Es ist einfach zu statisch, unser Sehen ist so veränderlich und dynamisch.

Mein Motto ist – Mit entspanntem Blick mehr sehen – Was hat es damit auf sich?

Meiner Erfahrung nach, und dies hatte auch schon Dr. Bates entdeckt, sind alle Sehprobleme auf irgendeine Art von Anspannung zurückzuführen. Anspannung kann dabei

      • in der Art des Atmens liegen
      • Anspannung im Nacken oder auch in den Waden
      • ein allgemeiner Druck, den Du Dir selbst machst oder der von außen auf Dich einwirkt
      • Anspannung in den äußeren Augenmuskeln
      • Anspannung im Ziliarmuskel rund um die Linse
      • eine Anspannung in der Hornhaut
      • eine überweite oder verengte obere Sehrinde im HInterkopf
      • eine permanente Schiefhaltung des Kopfes
      • Anspannung in den Füssen
      • ein verspannter Schultergürtel

Du siehst Sehen ist wirklich sehr vielseitig und es lohnt sich wirklich Dich mit Deinem Sehen zu beschäftigen. Und es macht Spaß!

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