Was macht eine Gleitsichtbrille mit Deinem Körper und Deinen Augen? – 3 Tipps für besseres Sehen

Haltung mit Gleitsichtbrille

Beginnen möchte ich mit der Geschichte eines Klienten und sie ist leider typisch. Er brauchte ab seinem 24. Lebensjahr nur eine Brille für die Ferne, also fürs Autofahren und im Kino. Beim Arbeiten am PC brauchte er keine Brille. Diese leichte Kurzsichtigkeit blieb über viele Jahre gleich.

Mit 42, bei einer Routineuntersuchung beim Augenarzt, wurde ihm schon mal nahegelegt, dass er irgendwann eine Gleitsichtbrille brauchen würde. „Sie haben auch eine beginnende Altersweitsichtigkeit.“, meinte der Arzt. Mein Klient selbst hatte davon noch nichts bemerkt und keine Einschränkung.

Weiter meinte der Augenarzt, dass es sinnvoll wäre die Gleitsichtbrille so früh wie möglich einzusetzen. Die Umstellung wäre dann leichter. Mit 48 Jahren konnte er tatsächlich, besonders bei der Arbeit am PC, in der Nähe schlechter sehen. Erinnert an den Rat des Augenarztes, lies er sich beim Optiker eine Gleitsichtbrille anfertigten. Von da an arbeitete er am PC mit einer Gleitsichtbrille mit 2 Sehstärken, also einem Bereich für die Nähe und einem Bereich für die Ferne.

Nach einer Eingewöhnung von 2 Tagen klappte die Umstellung auf die neue Gleitsichtbrille hervorragend. Er war soweit zufrieden. Die Gleitsichtbrille benutzte er ab da täglich, sowohl für die Ferne als auch für die Nähe.

Als er nach mehreren Monaten Verspannungen in der Hals- und Nackenmuskulatur bemerkte, dachte er nicht an einen Zusammenhang. Er versuchte alles Mögliche: Schwimmen, tägliche Dehnübungen und auch Physiotherapie. Nichts half dauerhaft.

Als er in meine Beratung kam, fragte ich ihn, ob er denn Nacken- und Schulterprobleme hätte. Erstaunt sagte er ja. Auf mein Anraten ließ er sich eine Einstärken-Arbeitsplatzbrille anfertigen. Seine Nacken und Halsverspannungen sind seither so gut wie weg. Seine Haltung während des Arbeitens am PC hat sich massiv verbessert.

Was haben Nackenverspannungen mit einer Gleitsichtbrille zu tun?

Es geht um die Haltung des Kopfes. Auch bei einer Einstärken-Brille hältst Du den Hals fest. Bei einer Gleitsichtbrille versuchst du allerdings auch noch durch den unteren Bereich im Brillenglas zu schauen und legst dabei den Kopf in den Nacken. Dadurch wird die Versorgung des Hinterkopfes, speziell zur Sehrinde, abgeknickt.

Oft wird der Zusammenhang zwischen Nackenverspannungen und der Gleitsichtbrille, die eine starre Kopfhaltung und Fehlhaltung begünstigt, nicht erkannt. Es dauert meist mehrere Monate bis die Nackenverspannungen so ausgeprägt sind, dass es zum Problem wird. Dass ein paar Monate vorher eine Umstellung auf eine Gleitsichtbrille erfolgte, ist dann schon vergessen.

In meinen Beratungen haben leider alle Klienten, die eine Gleitsichtbrille tragen, das Problem der Nackenverspannung.

In einer Umfrage, die ich meinen Newsletter-Lesern Anfang 2021 gestellt hatte, 100 nahmen teil, beantworteten 44 % dass sie eine Gleitsichtbrille benutzen. Eine Altersweitsichtigkeit kreuzten 55% an. Das hat selbst mich erstaunt. Also 90 % der Altersweitsichtigen benutzen eine Gleitsichtbrille, zumindest unter meinen Newsletterlesern.

Eine Gleitsichtbrille ist der Rollstuhl für die Augen

Bei einer Brille mit mehreren verschiedenen Glasstärken, die nahtlos in einander über gehen, musst Du Dir den Bereich heraussuchen durch den Du in dieser Distanz scharf siehst.

Das erfordert eine noch stärkere Halsanspannung als mit einer Einstärken-Brille. Du musst quasi genauer zielen. Was tust Du als Folge? Du hältst den Hals fest. Gleichzeitig kommst Du zusätzlich in ein noch stärkeres Starrverhalten.

Starren ist für die Augen Gift. Deine Augäpfel entspannen sich in Bewegung. Sie brauchen die kleinen kaum wahrnehmbaren Blicksprünge um entspannt, und damit gut sehen zu können.

Eine Brille mit einer Sehstärke wirkt dabei schon wie ein Rollator. Deine Augen werden durch die Brille die ganze Zeit geführt und halten sich fest. Also genau das Gegenteil von Bewegung, die sie bräuchten.

Mit einer Gleitsichtbrille wird dies noch verstärkt. Daher bezeichne ich sie als den Rollstuhl für die Augen. Deine Augen werden durch die Gleitsichtbrille sehr eingeschränkt in ihrer Bewegung. Klienten berichten mir von diesem Gefühl der Einengung.

Gleitsichtbrillen sind bequem

Das Top 1 Argument für die Gleitsichtbrille ist sicherlich die Bequemlichkeit. Du musst keine 2 Brillen dabei haben und ständig wechseln. Die Nebenwirkungen sind eben Nackenverspannung und eventuell ein noch schlechteres Sehen.

Was kannst Du jetzt statt einer Gleitsichtbrille tun?

Empfehlen würde ich Dir 2 Brillen zu benutzen. Auch in jungen Jahren. Heute nennt sich die Brille für die Nähe auch Arbeitsplatzbrille. Eine solche Brille solltest du auch schon bevor der Nahbereich nicht mehr scharfstellbar ist benutzen. Mit einer Fernbrille, also einer Brille, die für die Ferne und den schlechtesten Fall ausgelegt ist, also Nachts bei Regen Autofahren, solltest Du dauerhaft nicht Naharbeit machen. Dies überanstrengt Deine Augen nur.

Seit Beginn 2016 benutze ich täglich 2 Brillen, für die Nähe eine Brillenstärke, die mir für diese Distanz vollkommen ausreicht. Für die Ferne eine andere Brille. Jedes Mal wenn ich, am Anfang aus versehen, die Fernbrille zur Naharbeit länger benutzte, beschwerte sich mein Ziliarmuskel bei mir mit einem kleinen feinen Stechen. „Hey, das ist jetzt gerade super anstrengen! Muss das stundenlang sein?“

Gleitsichtbrillen sind bequem, keine Frage, mit den obigen beschriebenen Auswirkungen. Besser für Deine Augen, solange Du noch eine Sehhilfe brauchst ist die Kombination von Nah- und Fernbrille.

Wie siehst Du ob jemand eine Gleitsichtbrille benutzt?

Oft siehst Du nicht ob jemand eine Gleitsichtbrille benutzt, manchmal schon, wie in diesem Beispiel:

Kürzlich in einer Zoom-Konferenz begegnete mir eine Frau, bei dir ich ganz klar sehen konnte, dass sie eine Gleitsichtbrille benutzte. Der Kopf war weit in den Nacken gelegt und sie las etwas auf dem Bildschirm während sie in die Kamera schaute und sprach.

Das sah nicht nur komisch aus, es sah auch richtig ungut für ihren Nacken aus. Auf Dauer schnürt das die Blutzufuhr in die Sehrinde im Hinterkopf ab. So als ob du einen Gartenschlauch abknicken würdest. Da tröpfelt das Wasser auch nur noch heraus.

Falls Du also eine Gleitsichtbrille benutzt, denke über die Alternative nach und gehe zurück auf das 2 Brillen-System: Eine Brille für die Nähe und eine für die Ferne.

Dein Körper und Deine Augen werden es Dir danken!

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Dieser Artikel beinhaltet keinen medizinischen Rat, er spiegelt meine Erfahrungen wider und enthält Hilfe zur Selbsthilfe. Bei Schmerzen suche bitte einen Arzt auf, zur augenoptischen Beratung wende Dich an einen Augenoptiker.

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